Mit dem Mietauto durch Kanada: Routenplanung, Straßenregeln und praktische Tipps
Viele Reisende sind von Kanada angezogen, wenn es um Naturerlebnisse, weite und gute Straßen geht. Mit dem Mietwagen ist man flexibel und kann eigene Vorlieben für Städte, Nationalparks und kleine Orte gut vereinigen. Die Größe und Struktur des Landes verlangen gleichzeitig viel von Planung, Orientierung und Eigenverantwortung.
Welche Regionen sind für Mietwagenreisen geeignet?
Wer mit dem Mietwagen durch Kanada fahren will, fragt sich zunächst, welche Region zu seinem Reisezeitpunkt am besten passt. In der Gunst vieler Reisenden steht der Westen mit den Provinzen British Columbia und Alberta, da man dort auf vergleichsweise kleinem Raum Küstenabschnitte, Gebirge und Seen verbinden kann. Ein beliebter Rundkurs führt von Vancouver über den Fraser Canyon ins Landesinnere nach Kamloops oder nach Kelowna, dann auf dem Trans-Canada-Highway über Banff nach Jasper. Für eine solche Rundreise geben die meisten Reiseführer zwei bis drei Wochen an, damit lange Fahrtage und Tage mit mehr Aufenthalt gut austariert sind.
Ostkanada hat eine etwas andere Struktur. Rundreisen kombinieren in der Regel Toronto, Ottawa, Montréal, Québec City, gelegentlich mit Abstechern zu den Niagara Fällen oder nach Gebieten Atlantikkanadas, z. B. nach Nova Scotia. Die Entfernungen zwischen den Großstädten sind dort häufig geringer als im Westen, dafür kann die Fahrzeit durch Baustellen, dichten Verkehr oder Witterungseinflüsse erheblich länger sein.

Bild: Straßenregeln in Kanada * unsplash Parviz Foto
In weniger begangenen Gebieten, etwa im Nordland oder in sehr dünn besiedelten Gegenden des Binnenlandes, wird die Reisegestaltung besondere Anforderungen stellen. Dort oben kann die Zahl der Tankstellen sehr beschränkt sein, die Unterkünfte sind teilweise Wochen im voraus ausgebucht, und die mobile Netzabdeckung funktioniert nicht überall. Wer solche Routen fährt, muss neben einer ausreichenden Tankfüllung auch mit Verpflegung, warmer Zusatzausrüstung und einem Notfallplan (z. B. Servicenummern der Mietwagenfirma, Pannenhilfe) versehen sein.
Neben den geographischen Faktoren sind die einzelnen Jahreszeiten zu beachten. Die langen Tage der Sommermonate bescheren nicht nur die besten Straßenverhältnisse, sondern auch die angenehmste Temperatur. Im Frühjahr findet man in den höheren Lagen noch Schneereste, und im Herbst kann man von frühem Winterwetter beeinflusst werden und muss damit rechnen, dass einige Pässe und Streckenabschnitte vorübergehend gesperrt sind. Die Wintermonate bringen zwar reizvolle Bilder und eigene Schönheiten, verlangen aber gute Erfahrung auf Schnee und Eis.
Straßenverkehr und Regeln für Selbstfahrer im Überblick
Ein für Kanada typisches Verkehrssignal sind die vierseitigen Stopps an Kreuzungen. Dort halten sämtlich Fahrzeuge an der Haltelinie an, danach fährt das Fahrzeug weiter, welches zuerst angehalten hat. Bei gleichzeitiger Ankunft können nach bestimmten Höflichkeitsregeln entweder die Fahrzeuge rechts Vorrang haben oder Verständigungsgesten unter den Fahrern erfolgen.
Die Übertretung der Verkehrsordnung wird teils strenger geahndet als in Deutschland. Geschwindigkeitsübertretungen, Überfahren von Stopschildern und unzulässige Fahrmanöver in Schulzonen können unangenehme Bußgelder nach sich ziehen, schlimmstenfalls sogar Fahrverbot. Bei Mietfahrzeugen sollte man bedenken, dass auch Bußgelder nach Rückgabe des Fahrzeugs noch weitergegeben werden können, da Vermieter häufig mit den Behörden zusammenarbeiten und die Kosten nachträglich in Rechnung stellen.
Ein Sicherheitsproblem ist der Wildwechsel. Gerade in der Dämmerung können Elche, Rehe, Hirsche oder andere große Tiere unvorhergesehen über die Straße laufen, ihre Körpermaße führen bei Kollision mit PKW zu hohen Schäden und Gefährdung der Insassen. Reiseführer und Verkehrsbehörden raten daher, lange Nachtfahrten zu vermeiden, in Gefahrenstätten langsamer zu fahren und an Waldrändern erhöhte Aufmerksamkeit zu zeigen.
Fahrzeugwahl, Versicherungen und Mietbedingungen
Die Wahl des geeigneten Mietwagens hängt von der Route, der beabsichtigten Reisedauer und dem persönlichen Komfortanspruch ab. In Städten und auf kurzen Strecken genügen kompakte Fahrzeuge, werden lange Strecken mit Gepäck oder mehreren Personen zurückgelegt, bieten Mittelklassefahrzeuge oder SUVs mehr Raum und meist angenehmere Sitzhaltungen.
Wichtig sind auch die Versicherungen, die beim Mietvertrag abgeschlossen werden. Viele Mietpreise schließen in der Regel eine Haftpflichtversicherung und eine Vollkaskodeckung mit Selbstbeteiligung ein. Die Höhe der Haftpflichtsumme sollte man überprüfen, da sie je nach Anbieter sehr unterschiedlich ausfallen kann. Oft besteht die Möglichkeit, Zusatzversicherungen abzuschließen, die zum Beispiel Schäden an Glas, Reifen, Dach und Unterboden abdecken, die in den Basisprodukten ausgeschlossen sind. Ob man Bausteine dieser Art hinzunehmen sollte, ist von der Route und dem eigenen Risikoverständnis abhängig.
Mietbedingungen enthalten des Öfteren Einschränkungen für Fahrten auf nicht asphaltierten Straßen oder in weniger befahrenen Gegenden. Wer solche Fahrten beabsichtigt, sollte die Mietbedingungen, insbesondere hinsichtlich der erlaubten Straßenarten und gegebenenfalls darüber hinaus anfallenden Preisdifferenzen, prüfen. Vor Unterzeichnung lohnt es sich, das Fahrzeug zu fotografieren und vorhandene Schäden mit der Vermietstation gemeinsam zu erfassen.
Für Fahrerinnen und Fahrer gibt es Altersgrenzen: Die meisten großen Anbieter setzen 21 Jahre als untere Altersgrenze an, bei einigen höheren Kategorien kann es auch 23 Jahre oder mehr sein. Für Fahrerinnen und Fahrer unter 25 Jahren wird häufig ein Zuschlag pro Miettag erhoben. Ein nationaler Führerschein im Scheckkartenformat wird in der Regel akzeptiert, ein internationaler kann jedoch bei Kontrollen oder bei kleineren Anbietern nützlich sein. Zusätzliche Fahrende sollten bei Übernahme im Vertrag eingetragen werden, da nicht im Vertrag genannte Personen im Schadensfall Probleme mit dem Versicherungsschutz machen können.
Tagesetappen, Saisonwahl und Sicherheitsaspekte unterwegs
Realistische Tagesetappen sind eine der wichtigsten Stellschrauben für eine entspannte Reise. Reisetage mit durchgehenden Fahrzeiten von fünf bis sechs Stunden sind für viele Reisende die Regel, darüber hinaus sinkt die Konzentration. Wer mehrere lange Etappen hintereinander plant, muss unbedingt mit häufigen Pausen, Aussichtspunkten und kurzen Spaziergängen die Ermüdung bremsen.
Von der Saison hängen die Fahrbedingungen und das Buchungsverhalten stark ab. Im Sommer sind viele Nationalparks und touristischen Regionen sehr gut besucht. Im Frühjahr und Herbst können so manches Angebote preiswerter sein, dafür ist das Wetter launischer, und die Tage sind kürzer. Im Winter sind Winterreifen, eventuell Schneeketten und ein angepasster Fahrstil zu beachten, von einigen Straßen gibt es eventuell überhaupt gar keinen Zugang.
Sicherheitsaspekte betreffen nicht nur den Straßenverkehr, sondern auch die Versorgungslage. In dünn besiedelten Strichen ist es besser, den Tank nicht ganz leer zu fahren, sondern immer wenn man daran vorbeikommt möglichst auch nachzutanken. Trinkwasser, ein wenig Proviant, warme Kleidung und eine Grundausstattung, etwa Taschenlampe und Decke, können bei unvorhergesehenen Verzögerungen helfen. Mobilfunkempfang kann in abgelegenen Regionen geringer sein, weshalb viele Ratgeber raten, Offline-Karten im Navigationsgerät zu speichern oder auch zusätzlich klassisches Kartenmaterial dabei zu haben.
Wer sich vor der Reise mit Routen, Verkehrsregeln, Mietbedingungen und saisonalen Besonderheiten beschäftigt, verlagert ein Stück der Komplexität von der Fahrt in die Vorbereitung. So lässt sich Kanada mit dem Mietwagen selbständig, relativ flexibel und dennoch planvoll bereisen, sodass die großen Distanzen und die vielen verschiedenen Landschaften zu einem kalkulierbaren und gut strukturierten Reiseprojekt werden.